stehe am Gipfelkreuz des Lagginhorns.“ „Wo stehst du???? – Ihr Säcke, sagt dass das nicht wahr ist…“
Schon lange waren Hochtouren bzw das Bergsteigen Teil unserer Planung, doch nie ging es wirklich voran. Verschiedene Einzelprojekte wie unsere Sarek-Tour, Klettern oder Eisklettern, standen immer im Vordergrund. Diesen Sommer jedoch, Elminster fiel leider aus, zog Tasaio eine Woche Hochtouren Ausbildung bei einer Grindelwalder Bergschule in der Schweiz durch und lernte die Grundlagen der eigenständigen Planung sowie die Durchführung und Leitung einer Hochtour. Doch die Saison ging dann auch für dieses Jahr schon schnell dem Ende entgegen und wir einigten uns auf den letzten plausiblen Termin, auch wenn wir nicht mehr dran glaubten dieses Jahr noch einen Gipfel der Alpen zu erstürmen, war doch das Wetter in den vorherigen Wochen konstant mies.
Tasaio hatte schon ein wenig Erfahrung sammeln können (u. A. La Luette und Strahlegghorn mit Führer) und so war das ganze kein absolutes Neuland. Für die Planung und das Ziel sahen wir daher und aus simplen Prestigegründen vom Breithorn ab, welches ja im Allgemeinen als DER Pussy-4000er in den Alpen angesehen wird und entschieden uns für das 4010 Meter hohe Lagginhorn (naja vielleicht spielte der Cache am Gipfel auch eine Rolle). Der Plan sah vor am ersten Tag das Jegihorn (3206m) über den gleichnamigen Klettersteig zu besteigen und uns somit etwas an die Höhe zu akklimatisieren um am nächsten Tag dann unseren ersten 4000er anzugehen. Als der Termin dann immer näher rückte und die Wetterprognose nur Sonne versprach überdachten wir noch einmal unser geplantes Vorgehen. Realistisch gesehen würden wir keine Chance auf Eingewöhnung haben und somit machte es keinen Unterschied ob wir direkt mit dem Lagginhorn anfingen oder nicht. Nun hatten wir für den zweiten Tag die Wahl zwischen Klettersteig oder dem Weissmies (4023m) und somit die Option an einem Wochenende zwei 4000er anzugehen. Die Entscheidung war schnell gefällt!
Wir fuhren bei bestem Wetter Freitags los bis nach Saas-Grund um von dort aus mit der (fast) letzten Seilbahn bis zur Hohsaas zu gelangen. Wir überlegten einen Teil des Aufstiegs zu Fuß zu bewältigen doch trafen die richtige Entscheidung lieber von der Hütte aus schon einmal den Teil des Weges abzulaufen, den wir Tags drauf in der Dunkelheit zu bewältigen haben werden würden. Wir checkten also schnell ein und machten uns sofort auf. Da die Steinmännchen uns recht gut den Weg wiesen war die Linie über Blöcke und Schutt relativ gut zu finden und wir kamen recht zügig am Sicherungskabel an, das ein Band am unteren Westgrat des Lagginhorn entschärfte, welches es zu queren gilt, möchte man auf den eigentlichen Zustieg über den Westsüdwestgrat gelangen.. Danach noch ein wenig Blockkletterei und der weitere Verlauf wurde fürs erste klar und wir drehten um, um Rechtzeitig zum Abendessen einzukehren.
Die Hohsaashütte ist Luxus pur! Durch die Lage als oberste Skistation mit Blick auf den Triftgletscher ist die Infrastruktur eher für diese Art Touristen vorgesehen als für den gemeinen Bergsteiger. Neben dem modernen Restaurant gibt es komfortable 6er und 8er Zimmer mit abgetrennten Betten. Es gibt sogar warmes Wasser, auch in den Duschen (die allerdings leider defekt waren)…! Das Essen war durchgehend gut auch wenn es ein wenig an lokalen Genüssen mangelte. Trotz des riesigen Speisesaals wurden, in alter Hüttentradition (gerne reden wir uns ein, dass die Gründe nicht putztechnisch bedingt waren), am Abend und zum Frühstück mit allen zusammen an einem oder zwei Tischen gespeist, was natürlich den Austausch mit dem anderen Gästen förderte. Nach zwei Gläsern Rivella ging es dann nicht allzu spät ins Bett um am nächsten Morgen um 5:30h aufzustehen und um 6:00h abmarschbereit zu sein. Diese Planung funktionierte recht gut so dass wir mit vollem Magen gegen 6:10h loslegten.
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| Lagginhorn Gipfel |
Eine Bergtour ist bekanntlich dann erst zu Ende wenn man wieder in der Hütte sitzt und so machten wir uns auf den Rückweg. Durch angeschmolzene Stellen im Firn war der Abstieg dort ein gutes Stück einfacher und wenig später kletterten wir die Platten ab. Unsere Wegfindung war jedoch suboptimal und wir verbrauchten recht viel Zusatzkraft. Endlich am unteren Ende des Grates angekommen legten wir eine kleine Pause ein, Wolken verdeckten nun den Gipfel und das Steinbombardement aus der Westwand wurde immer heftiger. Wir waren schon spät dran! Das am Morgen noch zusammengefrohrene Geröll war nun komplett instabil und bei der Überquerung der ersten Schneebrücke rollte gleichzeitig ein tonnenschwerer Block darüber in eine Spalte. Zum Glück hielt alles Stand. Der Steinschlag hatte sich ebenfalls beruhigt und so überschritten wir zügig das ebene Gelände auf dem Gletscher, dass im Vergleich zum Morgen viel rutschiger geworden war. Endlich erreichten wir auch das Kabel und schleppten uns den letzten Kilometer Richtung kühler Rivella. Kurz vor Ziel ließ ein kleiner Anstieg noch einmal den Puls unkontrolliert hochschlagen und es dauerte seine Zeit ihn wieder unter Kontrolle zu bringen aber es war vollbracht.
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| Blick vom Lagginhorn Gipfel zum Weissmies |
Um 4:30h starteten unsere Zimmergenossen zum Nordgrat, natürlich wurden wir auch wach den es waren ja Zermatter Bergführer dabei, welche leider nicht oft durch ihre Rücksicht gegenüber Nicht-Gästen glänzen. Tasaio kam die Idee, da man nun ja schon wach war, direkt zu starten… aber nein es gab einen Plan und dem wurde nach gegangen. Eine Stunde Halbschlaf später machten wir uns fertig und als wir gesättigt und bereit waren stellten wir fest, dass die anderen schon alle weg waren und einen guten Vorsprung hatten. Wir gaben also Gas und konnten sie noch einholen.. Der Weg durch das verblockte Schuttgelände unterhalb des Trifftgletschers war stellenweise nicht ganz unproblematisch, da die sandigen Platten keinen vertrauenswürdigen Halt boten. Die Schweizer an der Spitze erwiesen sich als nicht ortskundig, hatten aber Glück! So bildeten wir mit dem ersten Tageslicht unsere Zweierseilschaft und folgten der Spur über die weite Eiswüste der spaltenreichen Einöde bis zum ersten Anstieg. Schnell wurde uns klar, dass auch ohne Vorgänger die Gefahr eines Spaltensturzes sehr gering war, da es eine klare Spur gab. Der Weg verlief über eine Lange Rampe durch die WNW-Flanke bergauf unterhalb einiger wirklich fantastischer Seracs um dann auf den oberhalb liegenden West-Grat abzubiegen. Wir hielten das Tempo der anderen Seilschaften und die Bewegungsstrategie im Eis erwies sich teilweise als effizient zumindest für Elminster mit einem Puls um die 150. Tasaio hingegen litt unter dem selben Phänomen wie Elminster am Vortag; der fehlende Schlaf forderte seinen Tribut. Wir liefen lange und mühsam über die Zickzackspur den Berg hinauf bis zu einer langen Wechte die das letzte gerade Stück vor dem steilen Gipfelaufstieg war dessen oberstes Ziel mittlerweile von Wolken bedeckt nicht mehr zu sehen war. Dort rasteten wir kurz und stockten unsere Zuckerreserven mit süßem Tee noch einmal auf. Auch wenn die Tagesform etwas anderes wollte machte Tasaios Ehrgeiz mit und bereitete sich vor die letzten 150 Höhenmeter hart zu erkämpfen. Der Weg vor uns war im Gegensatz zum Rest sehr aper und Konzentration war geboten. Ein paar geschlagene Stufen erleichterten das vorrankommen doch wir machten uns eher Sorgen da wieder runter zu kommen. Die letzten Meter gingen wir quasi blind und nur wenige Sonnenstrahlen schafften es durch die weiße Wand. Nach der Freude es endlich geschafft zu haben nach 4 Stunden Aufstieg wurden wir zudem mit einem kurzen Aufbruch des undurchdringlichen Schleiers und fantastischer Sicht belohnt. 15 Minuten später war alles wieder bedeckt, zudem noch mit sinkender Untergrenze; wir hatten den richtigen Moment erwischt. Auch wenn die Bewölkung störend (maßgeblich das fehlende Panorama) sein kann ist an dem Weissmies nur eine Überentwicklung zu Gewitterwolken wirklich problematisch denn auch bei schlechter Sicht bleibt die Orientierung anhand der gut ausgetretenen Spur recht einfach.
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| Weissmies Gipfel |
Zwei 4000er in zwei Tagen war ein Versuch dessen Ausgang am Anfang noch offen war. Wir müssen zugeben das wir riesiges Glück hatten, so gutes Wetter noch so spät in der Saison zu bekommen aber die Anfangsplanung eine Woche früher zu fahren hätte sich als regnerisches Unterfangen entpuppt. Wie wir vor Ort erfuhren war es zudem auch noch der letzte Tag an dem die Hütte bewirtschaftet wurde und die Seilbahn fuhr. Die äußeren Gegebenheiten waren also grundlegend gut und es lag nur an uns etwas daraus zu machen. Die zwei Normalwege des Lagginhorn und Weissmies sind als „WS-wenig schwer“ eingestuft, was zum Lernen eine gute Ausgangsbasis darstellt; dies heißt aber auch, dass sie im Gegensatz zu „leicht“ eingestuften Hochtouren auch einige Besonderheiten aufweisen, die bei weitem nicht trivial sind. Es sei außerdem zu erwähnen das sich “wenig schwer” übersetzen lässt zu “wenig schwer für Alpinisten mit der entsprechenden Ausbilung und Erfahung” und nicht zu “wenig schwer für Wanderer”. Für den Alpinisten-Anfänger eine Tour mit Ansprüchen die zu bewältigen sind und die ohne Bergführer gut zu machen bleibt. Für uns war es der perfekte Einstieg und als nächstes planen wir unsere Erfahrung zu erweitern in dem wie so viele einfache 4000er angehen wie möglich um mit der Zeit die Schwierigkeit langsam anzuheben. Nächstes Jahr ist die andere Talseite mit der Mischabelgruppe dran!![]() |
| Weissmies WNW-Flanke von Hohsaas aus gesehen |
Als Karte empfehlen wir die TK25 -Wander und Skitourenkarte Saas-Fee (ISBN 978-3-905756-25-8) da die Kartengrenze bei anderen Karten genau zwischen Weissmies und Lagginhorn verläuft.






1 Kommentare:
Ach, also Ihr wart das, das war ja gar nicht rauszuhören bei dem ganzen Erschöpfungsgestöhne da am Draht, ich dachte schon ich wäre aus Versehen auf die gespeicherte Nummer der Sexhotline gekommen.
Die Geocouch zeichnet sich ja normalerweise durch knallharten, investigativen Journalismus aus. Leider kann dieser verklärte Artikel diesem Anspruch überhaupt nicht gerecht werden. Das tut mir sehr leid für unsere Leser, und wir sichern sowohl lückenlose Aufklärung wie auch eine bessere Überwachung der Autoren auf Drogenkonsum zu.
Die Pressemeldung, die ich gerade von der dpa erhielt (sicherlich sind Parallelen rein zufällig):
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Zermatt (Agenturmeldung). Die italienische Theodulhütte mußte vergangenen Monat aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Uri Berglsteigerl, Leiter einer Breithorn-Besteigung zu diesem Zeitpunkt schilderte die dramatischen Vorkommnisse am Berg wie folgt: "Es ging mitten in der Nacht los mit einem furchtbaren Gestank in der Luft, aufgrund dessen wir unsere Gruppe bereits eine Stunde früher als geplant zusammen trommelten und die Hütte fluchtartig aus Sicherheitsgründen verlassen mußten."
Anscheinend hatten zwei junge deutsche Bergsteiger ohne jegliche Vorwarnung ihre furchtbar stinkenden Socken ausgezogen. Kurz zuvor fielen diese bereits anderen Bergwanderern negativ auf mit ihren überdimensionierten Steiggeräten sowie jungfräulich weißen Seilen, die sie ständig "mitholen" wollten.
Auf der Hütte klagten die beiden wie Höhlentrolle wirkenden Breithornaspiranten nur über die Anstrengung und sinnierten über die angebliche Wichtigkeit der Pulmsmessung auf Bergtouren. Andere Hüttengäste berichten, daß diese dann, um den strengen Sockenqualm zu vertreiben, ein Gegenfeuer legen mußten, indem nicht näher benannte, süßlich riechende "Duftstengel" angezündet wurden. Schlagartig verfielen die beiden in einen tiefen Schlaf und träumten lautstark von heldenhaften 4000er-Besteigungen ohne Gipfelkühe. Ob sie jemals aus den süßen Träumen aufwachten, oder nicht einmal mehr das unter gestandenen Alpinisten als einfach geltende Breithorn erreichten, ist nicht bekannt.
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Ach, nee, ernsthaft, ich habe mich wirklich sehr gefreut, als Ihr da oben standet. Natürlich wäre ich sehr gerne dabei gewesen, aber es ist eine tolle Leistung und ein wunderbares Erlebnis, und daher ein großes Dankeschön für den tollen sowie sehr präzise geschriebenen Bericht!
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