Mittwoch, 8. Juni 2011

Glück auf, der Biker kommt!


Gruppenfoto mit Biker
Eigentlich sollte dieser Post noch warten bis ein paar andere "durch" sind über diverse Touren aus den letzten Tagen und Wochen. Aber gerade schreibt der Pate, daß das Saarbrückener WWFM Event international ganz weit vorne mit dabei ist, da muß man ja reagieren.
Ok, ich gebe zu, ich war zuerst nicht sehr motiviert einem weiteren Flashmob beizuwohnen, und eigentlich war ich ja auch anderweitig unterwegs. Doch durch einen (un)glücklichen Umstand, der bald noch verbloggt wird bin ich halt schon früher wieder zurück und war auf der Suche nach einer kleinen Herausforderung. Eine T5-Tour mit diversen üblichen Verdächtigen sollte es sein, und danach vielleicht noch aufs Bitburger WWFM Event ...

Flashmobs und Geocaching sind halt immer so eine Sache, einerseits lustig, andererseits produziert man wieder Presse, bzw. geht zumindest das Risiko ein, besonders wenn es dumm läuft. Daß Geocaching aber keine Geheimwissenschaft mehr ist, sollte sich herumgesprochen haben. Also warum nicht, besonders wenn man sich wie in diesem Fall durch das Absingen eines Liedchens eben nicht wie ein Volltrottel verhält sondern etwas tut, mit dem auch Muggel noch was anfangen können ...

Eine Aussicht jagte die nächste
Und so kam wieder unser Igeler Quotenterrorist zwischen uns und unsere T5-Tour, der uns von seiner geplanten Tour zum WWFM nach Saarbrücken unterrichtete. Mit dem Fahrrad, natürlich. Und unter einer zweistelligen Anzahl Dosen und einer dreistelligen Anzahl Kilometer war er nicht zu haben. Krank, Kränker, Igeler ...  Na klar, da simmer dabei!

Geduckte Haltung: Gefahr!

Also schnell die Noppengummis runter und die glatten drauf, denn es mußte ja auch optisch passen. Los ging es pünktlich (ich betone: pünktlich! ja, auch ich, dank Zwischensprint ...) um 10:30 an der Konzer Saarmündung. Man möchte ja da beginnen, wo alles Gute aus dem Saarland endet und zur Mosel wird. Da wir jedoch keine Zeit hatten (wie, jetzt schon unter Druck, obwohl das Event doch erst abends ist?) machte Eta auch gleich von Anbeginn ordentlich Tempo und fuhr los, noch bevor ich "Eincremen?" sagen konnte.

Unterwegs erklärte er dann, daß der Fahrtwind sowieso alles wegfliegen läßt, und es wäre auch doof, wenn der Hintermann dann die ganze Soße im Gesicht hängen hätte. Schon bald verstanden wir "Lutscher", wie ernst er das meinte ... denn er machte Tempo wie Hölle. Und das auf einem flotten Tourenrad, aber mit locker mal 10 Kilo extra dabei ... und wer jetzt Böses denkt: Ich meine die Satteltaschen, in denen sich noch so manches Wunder verbergen sollte! Wir zogen unseren Hut und bald den Telefonjoker ("mal sehen, wo der nächste Bahnhof ...").
Am Wasserloch war noch Zeit zum Spielen

Nach rund einer Stunde scharf am Wind, während der hauptsächlich Eta die Führungsarbeit leistete, kamen wir dann endlich aus der Homezone heraus und die ersten Dosen dienten sich an. Unser Beuteschema für heute lag auf schnell logbaren Erlebnisdosen nah an der Route und allem, was sowieso auf dem Weg liegt. So konnten wir nicht nur ein paar langweilige Selbstzweckcaches loggen, sondern wirklich auch sehr viele interessante Dosen. Eigentlich fallen mir so im Nachhinein nur sehr, sehr wenige ein, die man sich hätte sparen können sollen. Schön!

Nun kam die angedrohte Bergwertung. Saarschleife (lang) oder Diretissima (steil) lautete die Wahl. Naja, so ein Hügelchen schreckt doch keinen Biker, und wer mag schon halbe Sachen ... Das tat es zwar auch nicht, der Eta dann aber schon, indem er seinem Hengst die Sporen gab und mit einem Tempo den Hang hinaufflog, daß einem Angst wurde, ob er auch noch rechtzeitig anhalten kann bei der nächsten Dose. "Wenn er den Kopf zwischen die Schultern nimmt wird es Ernst!" - jetzt wissen wir endlich, woher dieser ihm nachgesagte Spruch stammt!

Macht kaputt was Euch kaputt macht
Als Eta endlich mal müde wurde und bereit für die erste Pause war (gefühlte drei Stunden später) zog Kenny dann stillschweigend sein Ölfaß aus der Tasche und drückte es mir in die Hand. Er hatte von meinem ganzen Gelabere nix verstanden unterwegs, weil meine Kette quietschte. Ich hielt das zwar für normal -das Gequietsche- aber nach einem halben Liter Öl auf der Kette lief diese plötzlich wieder ruhig und vor allem schnell. Manche würden sich jetzt freuen, aber es war eigentlich nur schade um den zusätzlichen Trainingseffekt. Naja, wenn ich schon vor Monaten geölt hätte, dann wäre ich damals beim Trierer Crossduathlon ... argl, ich will gar nicht drüber nachdenken ... Apropos Kette, irgendwo bei Mettlach reihte sich Etas selbige in die Riege der Verwundeten ein und ein Kettenglied verabschiedete sich. Wunder Nummer 2: Er hatte sogar dafür noch Ersatz dabei!

Mittlerweile strengte mich das nun mehr und mehr wechselnde im-Wind-Fahren doch auch an, und so zog ich meine Geheimwaffe in einem unbeobachteten Moment heraus ... (dramatische Musik): Die Kinder-Sonnencreme! Mein Geruchsupdate wurde von der empfindlichen Igeler Nase natürlich sofort erschnüffelt und mit Kommentaren wie "Igitt, das ist ja peinlich, wer duftet fährt hinten!" und "Nur den echten Biker erkennt man am Schweißgeruch!" bedacht. Hehe, es hat geklappt! :-)

Das Mistwetter durfte auch mit
Nachdem eine weitere Stunde und mehrere weitere Liter durchgelaufen waren (es war mittlerweile selbst im Fahrtwind ordentlich heiß) rollerten wir an Merzig vorbei, wo wir ordentlich nachtankten. Es ging überwiegend flach und flott weiter mit wieder mehr wechselnder Führungsarbeit (die Sonne hat die Creme mittlerweile verbrannt) bis nach Saarlouis, wo sich mal wieder zeigte, wer das Größte ... GPS hat. Denn merkwürdigerweise waren nur auf meinem auch die Caches drauf, die uns hier nachhaltig aufhalten sollten in Tatunion mit zahlreichen Muggeln, die alle das Stadtfest besuchten. Ein letzter Check der Uhr, und es dämmerte so langsam auch uns, daß wir erbärmlich in der Zeit lagen und nur noch sehr knapp ankommen würden, wenn überhaupt. Zu lange Pausen, zu viele Logs, klar, Geocacher eben.
Ab jetzt wurde also wieder scharf in den Wind gegangen (hätte ich doch nur Deo mitgehabt), und die Ampeln und vielen kleinen, aber nervigen Hügel taten ihr übriges. "Wart mal, da ist noch" ... tönte es. Also gut, für einen haben wir immer noch Zeit ... klar, daß wir dann doch nochmal kurz gestoppt haben, denn die Hoffnung stirbt zuletzt (und man brauchte zunehmend mehr Ausreden zum Pausieren ohne Gesichtsverlust). Apropos sterben, diese letzte Stunde vor Saarbrücken war dann auch fast unser Tod, denn wir mußten alles geben, um es noch zu schaffen, und ich erinnere mich an nichts mehr. Meine Beine dafür schon, bis heute noch ...

Das komplette Team (3+3)
18:59, Saarbrücken City. Auf dem Marktplatz spielen sich dramatische Szenen ab. Nein, nicht, weil dort weit über hundert Geocacher möglichst unauffällig auf den Flashmob-Start warteten (und dabei natürlich mehr als auffielen). Glück auf, die drei Trierer Biker rollerten ein, auf den Punkt genau, und ordentlich ausgelaugt (Ausrede, wir wollten nur nicht singen). Weniger von der Distanz, die läßt sich schon gut fahren, als eher vom hohen Schlusstempo ... hinten ist die Ente fett! Und so sangen wir dann das anscheinend extra für uns gewählte Lied "Glück auf, der Biker kommt!" lauthals mit. Aber warum man "Biker" im Saarland noch als "Steiger" schreibt ...? Na, wir wußten ja schon immer, daß der Dialekt hier etwas anders ist als anderswo :-)

Ein ganz besonderes Dankeschön an dieser Stelle an den Organisator, der die Trier-Saarland-Achse trotz schrumpfender Homezones weiterhin aufrecht erhält, an alle Teilnehmer für das lustige Event, an meine beiden Mitstreiter fürs Anfeuern ("Quäl Dich Du Sau!" - "Schmerz ist, wenn Schwäche den Körper verläßt!" - und noch ein paar Sachen, die man hier nicht öffentlich wiedergeben kann), und vor allem auch an evian57, der am Ende noch schnell eine Spontan-Sightseeing-Aktion durchzog, indem er mit uns noch ein paar Dosen anfuhr. Welche weiß wohl nur mein GPS, denn mein Gehirn war schon seit Stunden im Sparbetrieb.

Es sei noch erwähnt, daß wir punktgenau mit dem einsetzenden Starkregen (= Wunder Nummer 3, und das nicht mal aus Etas Satteltasche) sowie puterrot (Ihr erinnert Euch: "Eincremen?" und weg waren sie ...) im Bahnhofsgebäude standen, und das obwohl wir den geplanten FSK18 Cache gar nicht mehr loggen konnten. Das Unwetter hinterließ dann auch noch einen bleibenden Eindruck bei uns auf den letzten Kilometern vom Zielbahnhof nach Hause. Bäääh! Immerhin, ich befürchtete schon Eta wollte auch noch mit dem Bike zurückfahren ...

1 Kommentar:

Chris Race hat gesagt…

Wow, Hut ab! Aus dem tiefsten Loch (geographisch gesehen natürlich ;) ) mit'm Rad in die Hauptstadt des bedeutendsten Bundeslandes.

...allerding war ich etwas enttäuscht, als ich am Schluss was von "Zug" lesen musste. Ich dachte, ihr seid so wahnsinnig und fahrt auch wieder mit dem Rad zurück :)