Donnerstag, 28. April 2011

Barrierefreies Cachen

Stellt Euch vor Ihr geht auf Cachetour im niedrigen Terrain und der Final hängt unerkletterbar hoch im Baum. Frustrierend, oder? Genauso muß man sich fühlen, wenn man als Rollstuhlfahrer z.B. einen meiner Caches in Trier angeht, der barrierefrei ist bis auf den Final, welcher leider in gut 2m Höhe angebracht ist.

Was im Schwarzwald geht, das geht bestimmt auch anderswo: Nur wenige von uns machen sich ernsthafte Gedanken über barrierefreies Cachen (aktuell auch hier). Doch gerade auch für behinderte Menschen kann Geocachen ein echter Erlebnisgewinn sein. Abhängig von Art und Grad der Behinderung sind dem natürlich Grenzen gesetzt. Doch eine leicht überwindbare Grenze sollte die unnötige Barriere sein, die wir selbst mit aufgebaut haben:
- falsche Kategorisierungen, besonders bei T1 vs. T1.5, (kein) Rollstuhlattribut, ...
- keine gezielt barrierefreie Gestaltung, gerade bei Caches wo dies evtl. leicht möglich wäre
- keine diesbezüglichen Informationen im Listing, da der Owner dies meist nicht bedenkt
- die Geocaching Seite selbst bietet nur eine sehr eingeschränkte Funktionalität

Somit ist meist nicht gut einschätzbar, ob ein Cache barrierefrei machbar ist oder nicht. Die besondere Herausforderung für einen Owner ist sicherlich oft auch, trotz Barrierefreiheit einen besonderen Ort zu zeigen und/oder ein besonderes Erlebnis zu vermitteln. Wer diesem Anspruch mit einem Cache gerecht wird oder werden kann sollte dies deutlich in sein Listing schreiben und mit Attributen und T-Rating richtig kennzeichnen. Vielleicht besitzt Ihr auch Caches, die mit wenigen, unproblematischen Änderungen barrierefrei werden würden und könnt/wollt diese entsprechend verbessern?

Darüber hinaus als sinnvolle Ergänzung versteht sich Handicaching. Hier kann nicht nur ein Owner seine eigenen Caches mit weiteren Informationen versehen, die dann abrufbar sind und nach denen gezielt gesucht werden kann, sondern auch Finder eines Geocaches können diesen bewerten. Es läßt sich z.B. angeben, auf welcher Höhe der Final angebracht ist, und vieles mehr, welches dann in das Handicaching-Rating Einzug hält. Hierzu noch ein ketzerischer Gedanke: Muß auch in diesem Fall ein handschriftlicher Eintrag in ein Logbuch sein, welches für Menschen ohne Behinderung absolut unproblematisch erreichbar wäre? Oder könnte man auf das Loggebot in solchen Fällen verzichten? Ich greife nochmal meinen Beispielcache aus der Einleitung auf: Nur der Final ist hier nicht barrierefrei angebracht, da es sich leider an diesem Ort nicht anders machen läßt ... ich persönlich jedenfalls hätte kein Problem damit, wenn online geloggt wird, obwohl ein schriftliches Log aus besonderen Umständen nicht möglich ist. Denn es geht in diesem Fall weniger um das Versteck oder die Herausforderung an sich dort hinzukommen, sondern um das Gesamterlebnis. Das muß natürlich nicht bei jedem Cache in der Form zutreffen.

Das Argument, daß es ja auch kaum behinderte Geocacher gibt kann ich übrigens so nicht stehen lassen. Denn das Angebot bestimmt in diesem Fall die Nachfrage mit. Je mehr Transparenz und Erlebnis wir also bei barrierefreien Caches anbieten, umso eher wird dieses auch genutzt werden. Was man gemeinsam erreichen kann stellt für mich sehr eindrucksvoll das Team Hoyt unter Beweis, auf welches mich vor einiger Zeit mal kennyone10 aufmerksam machte.

Aufmerksam geworden bin ich übrigens durch einen interessanten Artikel im Volksfreund. Beim Anblick der Bücherbox war mir klar, daß dies eine hervorragende Cachelocation ist, um dieses Thema und diesen Ort einmal näher vorzustellen, und so habe ich bald darauf die Verantwortlichen im Dorfzentrum kontaktiert und ein uneingeschränkt positives Feedback und Interesse erhalten. Vor diesem Hintergrund ist dann der bewusst einfach zugängliche, vermutlich erste gezielt gestaltete Handicache in Trier eingerichtet worden mit freundlicher Unterstützung des Schammatdorfes. Es war für uns natürlich selbstverständlich hier mit den lokalen Verantwortlichen zusammenzuarbeiten, auch aus einem ganz besonderen Grund: Geocacher mögen es ja gar nicht beim Cachen begafft zu werden. Wenn Ihr Euch hier unwohl fühlt, dann könnt ihr in etwa nachvollziehen, wie sich manchmal behinderte Menschen fühlen ... wir haben den Spieß hier quasi umgedreht und solche Erlebnisse ein ganz kleines bisschen erfahrbar gemacht ...

Über weitere barrierefreie Caches, die ein tolles Erlebnis bieten, würden wir uns sehr freuen ... und wenn ihr selber keinen Cache ownt, dann bringt wenigstens ein interessantes Buch mit ... :-)

PS: Das Bild stammt aus dem Listing des ersten Handicaching Events in der Romandie (Schweiz).

Kommentare:

Kennyone10 hat gesagt…

Ich war vor kurzem nochmal da, vielleicht sollte man klar machen das das "Versteck" nicht nach GANZ OBEN plaziert wird... Dachte eigentlich das wäre selbstverständlich....

Aber schöner Beitrag der einem doch zu denken gibt!

Maacher hat gesagt…

Au Backe. Wer liest heute dann noch Listings? Wohl niemand mehr ... schnell den Hint geklickt und loggen. Hmmm ... ich werde wohl jetzt wirklich gleich einen Hinweis aufnehmen. Ganz oben und ganz fett ...

Kennyone10 hat gesagt…

@Maacher... genau wie wir, wann lesen wir ein Listing?! (ok t5 bilden meist die Ausnahme).... :-)

Aber denke das es jetzt Klar und deutlich ist..... :-)